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Statistik oder Auseinandersetzung mit den Ursachen ?
Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Chancengleichheit, Altersarmut, Kinderbetreuung, Un­ter­re­prä­sen­tanz von Frauen in Führungspositionen und vieles mehr - im parlamentarischen, media­len und pri­va­ten Diskurs wird zunehmend das Geschlecht als entscheidendes Kriterium für die Pro­ble­me der Bürger ( und Bürgerinnen ) wahrgenommen und hervorgehoben.
Der Eindruck verstärkt sich, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes grundsätzlich andere und schwer­wie­gendere ( ? ) Probleme haben als Männer. Männer und Jungen haben keine Proble­me, staat­li­che Politik muss sich darum nicht kümmern.
Zur Bestätigung dieser Sicht- und Herangehensweise werden Datenerhebungen herangezogen, die be­le­gen, dass - statistisch betrachtet - mehr Frauen Kinder und Angehörige pflegen als Män­ner und mehr Män­ner Vollzeit arbeiten und Karriere machen als Frauen. In den Medien wird auf die un­ter­schiedliche Verteilung der Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen hingewiesen.
Rechtfertigen diese Zahlen und Informationen eine vorwiegend geschlechterspezifische Be­trach­tung ?

Wesentliche Aspekte werden bei einer rein statistischen Betrachtungsweise nicht oder zu wenig be­rück­sich­tigt :
  
   1.   Statistische Daten sind kein Beweis für kausale Zusammenhänge. Sie können eine These im wis­sen­schaft­lichen Sinne widerlegen, sie aber nicht beweisen.
Da es in der Praxis einfacher ist, Statistiken zu erstellen als sich mit möglichen Ursachen aus­ei­nan­derzusetzen, wird dieses Mittel sehr häufig eingesetzt. Jedoch gilt : nur wenn die wah­ren Ur­sa­chen für ein Phänomen bekannt sind, können funktionierende Mechanismen zur Ver­bes­se­rung seines Zustands entwickelt werden.
   2.   Das im Durchschnitt höhere Einkommen von Männern im Vergleich zu Frauen täuscht da­rü­ber hinweg, dass es viele Männer gibt, die am oder unter dem Existenzminimum leben. Das hö­he­re Durchschnittseinkommen von Männern ist für diese Männer eher ein Nachteil als ein Vor­teil, denn dadurch fehlen Verständnis und Mitgefühl für ihre Alltagsprobleme.
Analoges gilt für Männer, die Karriere machen wollen, in ihrem Betrieb jedoch an eine "glä­ser­ne Decke" stoßen, weil ihnen die nötigen Beziehungen fehlen. Auch sie werden nicht als "Ver­lie­rer" gesehen.
   3.   Moderne Lebensentwürfe von Männern werden in der öffentlichen Debatte kaum be­rück­sich­tigt, da sie statistisch ( noch ) nicht relevant sind. Dies bedeutet für Männer eine er­heb­li­che Hür­de, Lebensentwürfe abseits der klassischen Vollzeiternährer-Rolle zu leben. Sie fin­den kei­ne Interessensvertretung für ihre Anliegen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für mo­der­ne Männer gleichwohl ein wichtiges Thema.
Ein weiteres Anliegen von Männern mit modernen Lebensentwürfen betrifft ihre man­geln­den Rechte als Vater und mögliche Abhängigkeiten vom Verhalten der Kindsmutter nach Tren­nung oder Scheidung.

In Zeiten, in denen die klassischen Rollenbilder in Auflösung begriffen sind, wird die pauschale Zu­ord­nung von Geschlecht und Rolle in der Gesellschaft zunehmend unzutreffend. Heute exi­stie­ren Kinder-betreuende Vollzeit-Hausmänner neben Kinder-losen Karrierefrauen. Der Rück­schluss vom Ge­schlecht auf die Lebenssituation war in früheren Zeiten stimmig, heute erscheint diese He­ran­ge­hens­weise als antiquiert und problematisch.
Das Verharren in tradierten geschlechterspezifischen Denk- und Argumentationsmustern steht im Wi­der­spruch zur Forderung nach Modernisierung des Rollenverständnisses von Männern und Frau­en.

Für eine zukunftsfähige Gesellschaft ist daher ein grundlegender Perspektivwechsel nötig : weg von der pau­scha­len Kategorisierung über das Geschlecht - hin zum individuellen Blick auf die je­wei­li­gen individuellen Bedürfnisse und Ressourcen von Frauen und Männern in ihrem Le­bens­ver­lauf.
 Forum Soziale Inklusion, 2013-03-17
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